Post-Season-Blues oder lohnende Winterpause?

Mit gutem Gewissen in die Saisonpause © Felgenhauer / xc-run.de

„Vogel fliegt – Fisch schwimmt – Mensch läuft“ hat es Lauflegende Emil Zatopek einst wortgewandt formuliert und leitet mit einem der bekanntesten Zitate der Sportgeschichte diesen Artikel über die anstehende Saisonpause ein, in der es eben darum geht einmal NICHT zu laufen. Laut meinem Freund Emil ist das wider der Natur und fällt uns dementsprechend schwer. Ein Fisch, der nicht schwimmt ist immerhin tot – oder zumindest todunglücklich.

Kennt ihr diese gemischten Gefühle am Saisonende? Einerseits freut man sich, Wettkampfstress und strukturiertes Training hinter sich zu lassen und ist endlich dort, wo man sich in unzähligen Bergintervallen hin gesehnt hat – in der (Wettkampf-)Pause. Andererseits ist da diese seltsame Leere. Spätestens nach zwei Wochen Völlerei hängt einem die „Belohnung“ zum Hals raus und man ertappt sich dabei Fotos der vergangenen Saison durchzusehen und einen groben Blick auf den Wettkampfkalender des nächsten Jahres zu werfen.

Trotzdem macht diese Pause im Herbst Sinn. Es ist Zeit dem Körper Erholung zu gönnen, alte Verletzungen auszukurieren, den Fokus auf andere Dinge zu richten und ganz bewusst nicht zu laufen. Unser Coach und Sportwissenschaftler Andi Weishäupl sagt euch auch warum:

„Der gezielte Formverlust gehört ebenso wie der Formaufbau zu einer langfristigen Trainingsplanung dazu (zum Artikel „Zielsetzung und Periodisierung“). Dem Körper müssen im Jahresverlauf Zeiten der Regeneration und Erholung gegönnt werden. Hier kann der bildliche Vergleich mit unserem Girokonto gezogen werden, von dem wir ebenfalls nicht ständig abheben können, ohne irgendwann darauf einzuzahlen. Gleiches gilt für unseren Organismus. Im Anschluss an die Ruhephase ist es wieder einfacher neue, trainingswirksame Reize zu setzen.“

Wer von uns hat nicht die letzten Wochen und Monate das Stabitraining vernachlässigt oder das Dehnprogramm etwas schleifen lassen? Zeit genau das nachzuholen! Lohnende Alternativen um diese „Lauf-Leere“ zu füllen gibt es genug. Das kann ein Ganzkörperworkout (10-Minutes-a-day), eine Alternativsportart wie Langlaufen, ZWIFT, Skitourengehen oder ähnliches sein. Es ist aber auch die Zeit, um in Ruhe die kommende Saison zu planen, sehr viel Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen, oder einfach mal ein Buch zu lesen. Kommt trotzdem der „Post-season-blues“ auf und ihr sehnt euch zurück auf die Trails – keine Sorge, das ist ganz normal! „Läufer läuft!“ – so ist das eben! Und tun wir es nicht, sind wir entweder tot oder todunglücklich…