Trailrunner im Interview: Maria Koller

Maria Koller beim Madeira Skyrace 2019 © Joaomfaria / SWS

Welch ein Comeback: Nach zwei Jahren, die immer wieder von Verletzungen geprägt waren mischt Maria Koller die Skyrunning Elite auf und siegt beim legendären Madeira Skyrace. Das symphatische Mädel aus dem Bayerischen Wald katapultiert sich mit diesem wilden Ritt über die Insel in die Spitze der weiblichen Skyrunner.

Interview mit Maria Koller

Herzlichen Glückwusch Maria! Wie fühlst du dich nach diesem Husarenritt?

Servus Markus, herzlichen Dank für die Glückwünsche! Ich kann nur immer wieder sagen: „Es ist eine Sensation!“ Ich habe das vergangene Wochenende immer noch nicht richtig verdaut. Ich bin total glücklich und mega stolz, was ich bei dem Rennen auf Madeira geleistet und geschafft habe. Andererseits aber auch  sehr verblüfft über meine eigene Leistung, vor allem nach den letzten Wochen, in welchen ich kaum trainieren und laufen konnte.

Insgesamt kann ich aber wohl nur sagen: „Brutal geile Sache!“

Wie hast du dich auf dieses technisch anspruchsvolle Rennen vorbereitet?

Ehrlich gesagt konnte ich das in diesem Jahr noch schlecht. In den Voralpen bei mir Oberbayern war in den letzten Wochen noch viel Schnee. Im technischen Gelände zu trainieren war also noch unmöglich. Da musste halt wie immer die „Osserwampe“ oder ähnliches im Bayerischen Wald ausreichen. Im vergangenen herrlichen Herbst habe ich noch ein paar schöne technische Bergtouren gemacht, die bestimmt zur Trittsicherheit in einem solchen Gelände wie auf Madeira beigetragen haben.

Du hattest die letzten beiden Jahre viel mit Verletzungen zu kämpfen. Hast du Tipps für uns, wie man Verletzungspausen am besten überstehen kann?

Verletzungspausen sind für Sportler und Bergliebhaber natürlich sehr lästig und extrem hart für die Psyche. Vor allem, wenn das wiederholt passiert. Wichtig ist, das zu nutzen, was geht. Ich bin in den Verletzungsphasen viel Radl gefahren, bin geschwommen oder habe Krafttraining gemacht. Man muss sich irgendwie revanchieren –  und das geht. Natürlich macht das nur bis zu einem gewissen Grad glücklich, an das Laufen und das Erreichen eines Gipfels kann einfach in meinen Augen nichts ran, aber wie gesagt, sportliche Alternativen muss und kann man auf alle Fälle nutzen.

Außerdem  kann ich von Glück sprechen, dass ich so tolle Freunde habe, die mich in diesen Zeiten immer unterstützt und aufgebaut haben.

Mit diesem Sieg bist du definitiv in der Elite der Skyrunner angekommen. Möchtest du der World Series 2019 treu bleiben und bei weiteren Rennen starten?

Ehrlich gesagt habe ich mir im Voraus noch keine Gedanken darüber gemacht. Jetzt schaut die Sache natürlich schon ein bisschen anders aus. Den ein oder anderen „Traum“ gäbe es da natürlich schon noch. Beispielsweise steht der Tromso Skyrace schon ewig auf meine Wunschliste. Mal sehen, was dieses Jahr  und die Saison so bringt. Auch das Finale in Limone wäre mit Sicherheit ein super Rennen und ein total spannendes Erlebnis.

Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus?

Wie gerade erwähnt, habe ich noch nicht wirklich viel geplant. Ich muss auf meinen Körper hören, nicht zu viel machen und mich nach Läufen, wie Madeira einer war, gut regenerieren. Mitte Juli werde ich zum Skymarathon Rosengarten fahren.  Ich lasse jetzt erst einmal das vergangene Wochenende wirken und dann plane ich weiter.

Was sind deine drei Trainingsgeheimnisse?

Spaß am Laufen haben! – das ist wohl der gewinnbringendste Punkt! Wenn man sich gut fühlt, Freunde hat, an dem was man macht und erreicht, dann ist jede Einheit effektiv!

Außerdem ist es wohl ziemlich wichtig, für eine kunterbunte Abwechslung im Training zu sorgen. Im Winter bin ich extrem viel mit den Langlauf- und Tourenski unterwegs gewesen. Ich habe tolle Gipfel erobert und  viele Höhenmeter gesammelt. Ich denke, dass das meiner Leistung auf Madeira sehr zugute kam. Und zu guter Letzt, ist eine ausreichende Regeneration mindestens so wichtig wie gutes Training. An dieser Stelle muss ich mich öfter an der eigenen Nase packen. Wenn ich mich gut fühle, denke ich meistens, ich kann Bäume ausreißen und gar nicht genug bekommen. Zu viel lässt einem der Körper aber dann schnell spüren.

Laufen ist deine große Leidenschaft. Was genau bedeutet Trailrunning für dich?

Das Trailrunning gehört zu meinem Leben! Wenn ich auf den Bergen, den flowigen Trails oder den technisch anspruchsvollen Wegen unterwegs bin, bin ich glücklich. Ich liebe die Natur, die Berge und das Laufen. Eine Kombination aus all meinen Leidenschaften ergibt quasi Trailrunning.

Beim Laufen in der Natur kann ich meinen kompletten Alltag ausblenden und total viel Kraft und Power tanken.

Und das Gefühl, als Erste die Ziellinie zu überqueren ist natürlich sowieso unbeschreiblich…