Stuiben Trailrun: Heimspiel mit Hindernissen

Markus Mingo im Ziel des Stuiben Trailrun 2022 © xc-run.de

Die Lunge rattert, der Puls ist im dunkelroten Bereich und das Laktat tropft mir aus den Ohren. Die Arme brennen, als ich mich am Geländer die letzten Stufen des Stuibenfalls hinaufwuchte. Wir haben Freitagabend und ich befinde mich im Prolog des Stuiben Trailrun.

Die Urkraft des Wassers

Dejavu am nächsten Morgen: Der Puls im orangen Bereich laufe ich 11 Stunden später die 728 Natur- und Stahlstufen des größten Wasserfalls Tirols erneut nach oben. Dieses Naturphänomen ist Namensgeber und Herzstück der vier unterschiedlichen angebotenen Disziplinen. Ich habe mich für die Marathondistanz entschieden. Nach den bleibenden Eindrücken nach meinem letzten Besuch im Ötztal vor vier Wochen, wollte ich jede Sekunde dieses Events aufsaugen und jeden Meter dieser traumhaften Pfade genießen. Wenn sie mich gelassen hätten, hätte ich mich in meiner Euphorie wohl auch noch für den Kinderlauf am Nachmittag angemeldet. Es fühlte sich fast wie ein Heimspiel an in Umhausen. Fast – wie sich später zeigen wird.

Beeindruckende Entwicklung eines Topevents

Beeindruckend, was die Organisatoren unter Führung von Martin Scheiber hier in den letzten Jahren gestemmt haben. Ein Event, dass sich jede Ausgabe verbessert und jedes Jahr mehr Teilnehmer anzieht. Der Sprint mit Jagdstart ist eines der Highlights, die Teilnahme kenianischer Athleten und zahlreicher namhafter Läuferinnen und Läufer aus dem deutschsprachigen Raum ein weiteres. Auch die Videoleinwand mit Livebildern von der Strecke und Zwischenzeiten im Zielbereich erweist sich als Pfund – für Zuschauer und Athleten gleichermaßen. Die Szene fühlt sich wohl im Ötztal und ist endlich im längsten Seitental Tirols angekommen.

Die drei Hauptstrecken bieten Herausforderungen für Jedermann

Konrad Kufner sichert sich auf der 12k Strecke den Sieg bei den Masters © xc-run.de

Der Stuiben Trail – 12K führt das Startfeld vorbei am imposanten Wasserfall bis hinauf nach Niederthai, über den Rauhen Bichl Richtung Höfle und Bichl, Downhill über den Höhenweg auf den Trail zum Sattele und entlang des Steppsteigs Richtung Dorfzentrum und Ziel. Die anspruchsvolle Kategorie 24K punktet am Narrenkogel angekommen mit einem Panorama, bevor ein knackiger Singletrail über die Bergmähder wieder nach unten und weiter analog der Strecke 12K zum Ziel führt. Wer es wirklich wissen will, nimmt die Herausforderung des 42K Trails an: der Startpunkt liegt auf 1.036 Metern in Umhausen, der höchste Punkt bei 2.392 Metern auf der Mahdebene. Insgesamt gilt es auf der kräftezehrenden, aber landschaftlich traumhaft schönen Route, 3.100 Höhenmeter zu bewältigen.

Traumwochende ohne Happy End

Auch ich hatte wieder ein schönes Wochenende im Ötztal. Der Stuiben Sprint am Abend war kurz, knackig und es hat wahnsinnig Spaß gemacht mich mit den Kenianern und einigen deutschsprachigen Eliteläufern im Vertical zu messen. Hier kam fast ein wenig nostalgische Skyrunning Atmosphäre auf. Genau das machte vor ein paar Jahren die Rennwochenenden aus, als sich Kilian Jornet und Marco de Gasperi erst Freitagabend beim Vertical K und am nächsten Morgen beim Skyrun battelten.

Auch die traumhaften Pfade, die netten Menschen, das gute Frühstück und der zuvorkommende Service im Explorer Hotel oder die leckeren Burger in der Ötztalerei waren dieselben wie beim letzten Mal. Trotzdem, mein Wochenende war es in sportlicher Hinsicht leider nicht: Beim Prolog dachte ich sehr gut dabei zu sein, wurde aber vom Zielsprecher mit den Worten „gute Leistung, nur zwei Minuten Rückstand auf den Führenden (Kenianer)“ empfangen. Beim Hauptrennen über 42k fühlte ich mich gut und bereit anzugreifen. Zumindest bis Kilometer 25. Eine falsche Abbiegung brachte mich fälschlicherweise auf die 24k Strecke und führte letztendlich zum DNF. Klar, letztendlich ist man als Athlet immer selbst schuld am Verlaufen, aber ein fader Beigeschmack bleibt dieses Mal doch. Bereits beim Stuiben Sprint, bogen Läufer auf der 4-Kilometer-Strecke falsch ab, unsere Führungsgruppe büßte zu Beginn des Rennens einige Minuten ein, weil die Abzweigung auf den Narrenkogel noch nicht gekennzeichnet war und meine eigenen DNFs Aufgrund von „Verläufen“ halten sich auch in Grenzen. So ganz optimal war die Markierung also nicht. Vielleicht ein guter Ansatzpunkt, um das Event auch im Jahr 2023 nochmal ein Stückchen besser zu machen.