Mein erster Ultra-Trail (Teil 2): Ausrüstung

Trailrunner mit kompletter Ausrüstung © Marco Felgenhauer

Ultra-Trails finden oft im alpinen, teilweise sogar im hochalpinen Gelände statt. Das bedeutet man benötigt als Trailrunner neben guter körperlicher Fitness und etwas Bergerfahrung natürlich auch die richtige Ausrüstung. Bei den meisten Ultra-Trails gibt es sogar eine sogenannte Pflichtausrüstung, die natürlich auch bei langen Trainingsläufen im Gelände Sinn macht. Im folgenden Artikel erfahrt ihr einiges über die Ausrüstungsgegenstände die ein Trailrunner im Portfolio haben sollte:

Schuhe

Das wichtigste und einzig notwendige für die ersten Trainingsläufe im Gelände ist das passende Schuhwerk. Trailschuhe unterscheiden sich optisch kaum von normalen Straßenlaufschuhen, bieten aber darüber hinaus noch ein paar Funktionen, die man zu schätzen lernen wird. Wichtig ist ein gutes, geländetaugliches Profil, Zehenschutz gegen Steine und eine Schnürung, die sich nirgends verheddern kann. Während der kälteren Jahreszeit machen auch oftmals Schuhe mit Gore-Tex Membran Sinn, um das Wasser draußen und die Zehen  trocken zu halten. Ultra-Trail-Strecken wechseln von hochalpin zu Schotter- und Teerstraßen, sowie von nassen zu sehr trockenem Gelände. Mitunter gilt es auch Schneefelder oder einen Gletscher zu durchqueren. Eines vorweg, DEN Schuh für alles gibt es nicht und wenn man Hunderte Kilometer im Jahr auf Trails unterwegs ist sollten Schuhe vor allem eines: passen! Eine tolle Möglichkeit seinen Lieblingsschuh zu entdecken sind Schuhtests, wie sie von xc-run.de im Rahmen eines großen Community-Tests jedes Jahr an Ostern angeboten werden. Das bietet die Möglichkeit das Material unterschiedlichster Hersteller kostenlos und unverbindlich unter realen Bedingungen auszuprobieren und daraus seinen persönlichen Favoriten zu wählen. Hat euch das Trailfieber erst einmal richtig gepackt werdet ihr sehen, dass ihr sehr bald drei bis vier Paar Schuhe „brauchen“ werdet um jede Distanz und jeden Untergrund entsprechend abzudecken. Als Einsteigermodelle, die eine große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten erfüllen könnte ich aus unserem diesjährigen Schuhtest guten Gewissens den Salomon SLAB Sense Ultra, den Scott Kinabalu 3.0 , den Dynafit Trailbreaker oder den Icebug DTS3 empfehlen.

Tipp: Persönlich trage ich meine Trailschuhe auf längeren Distanzen immer eine halbe Nummer größer als Straßenlaufschuhe. Das hat sich als gute Prävention gegen unangenehme Druckstellen und blaue Zehennägel erwiesen.

Socken

Von Anfängern oft vernachlässigt aber ebenso wichtig wie das passende Schuhwerk ist die Wahl der Socken. Sie sollten perfekt passen, Feuchtigkeit transportieren, an den wichtigen Stellen schützen und im Optimalfall stabilisierend auf Muskeln und Gelenke wirken. Hier sollte man vor allem bei langen Läufen nicht sparen und auf Qualität setzen. Es gibt nichts Schlimmeres als Blasen und wundgescheuerte Stellen an den Füßen, wenn noch 2/3 der Strecke vor euch liegen.

Tipp: Vor allem im Herbst, Winter oder bei Regen haben es mir Merino Socken angetan, da sie auch bei Nässe noch angenehm zu tragen sind.

Stöcke

Das Laufen mit Stöcken ist eine sehr individuelle Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen (und ausprobieren) muss. Stöcke entlasten vor allem in den Bergauf Passagen und machen Trailrunning (ähnlich dem Skilanglauf) zum effektiven Ganzkörpertraining. Es gibt Faltstöcke, Fixstöcke und Stöcke zum Zusammenschieben. Faltstöcke lassen sich sehr klein zerlegen und praktisch an den Rucksack schnallen. Fixstöcke sind am leichtesten und stabilsten von allen, haben aber den Nachteil, dass man sie das ganze Rennen über in der Hand halten muss. Das Reglement bei Ultra-Trails gibt vor, wer mit Stöcken startet muss mit Stöcken ins Ziel kommen. Das Aufnehmen von Stöcken ist verboten.

Tipp: Das Handling der Stöcke, inklusive dem Verstauen im Rucksack, sollte vor dem Wettkampf in Fleisch und Blut übergehen – sonst werdet ihr sie im Ernstfall nicht effektiv nutzen.

GPS-Uhr

Ein Instrument, das euch hilft euer Training zu steuern, die Geschwindigkeit und die zurückgelegten Distanzen zu messen und im Zweifelsfall auch zurück zum Ausgangspunkt zu navigieren. Die neuesten Multifunktionsuhren bieten von Kompassfunktion über Laufstilanalyse bis Live-Tracking-Funktion alles, was mehr oder weniger wichtig ist. Man sollte unbedingt darauf achten eine robuste Uhr mit langer Akkulaufzeit und gutem GPS Empfang zu wählen.

Tipp: Viele Funktionen der GPS-Uhr könnt ihr anfangs auch mit dem Handy abdecken. Erfahrungsgemäß steigert aber ein neues „Spielzeug“ während der Saison die Motivation ungemein.

Regenjacke

Die Regenjacke ist nach Schuhen und Socken wohl der drittwichtigste Ausrüstungsgegenstand den ihr euch zulegen solltet. Sie sollte leicht und gut verstaubar sein, sowie in Training und Wettkampf vor Regen, Schnee, Wind und Kälte schützen. Zudem sollte sie atmungsaktiv sein und beim Laufen nicht stören. Viele Hersteller bieten für den Trailbereich Versionen mit Kapuze an.

Tipp: Wichtig ist hier neben der Funktionalität die optimale Passform. Die Jacke sollte genügend Bewegungsspielraum zum Laufen bieten, dabei aber keinesfalls flattern.

Funktionskleidung

Ohne Funktionskleidung macht ein laufen, und eigentlich jede andere Sportart auch, weniger Spaß. Sie muss atmungsaktiv sein, eine gute Passform haben und natürlich gut aussehen.

Tipp: Als Lieblingsteile für jede Jahreszeit hat sich der ärmellose Windbreaker, die ¾ Laufhose (die mit entsprechenden Socken jederzeit zur langen Hose umfunktioniert werden kann), das Multifunktionstuch und Ärmlinge entpuppt, da man damit spontan auf Wetterumschwünge und Temperaturänderungen reagieren kann.

Rucksack

Im Rucksack sollte die komplette Pflichtausrüstung inkl. Verpflegung und Getränk Platz finden. Es gibt mittlerweile einige gute Rucksäcke auf dem Markt, die jeder entsprechend seines Körperbaus und seiner Vorlieben auswählen muss. Wie immer gilt – testen, testen, testen.

Tipp: Ich schwöre mittlerweile auf Softflasks als Trinksystem, da ich den Inhalt der Flaschen individuell anpassen kann (nur Wasser, Wasser Gel Mischung), einen Überblick über den Inhalt habe und sich die Flasks an den Verpflegungsstellen schnell nachfüllen lassen. Zudem habe ich gleich meinen „Trinkbecher“ für die VPs dabei.

Sonstige (Pflicht-)ausrüstung:

Bei langen Läufen im Gelände sollte man aus Sicherheitsgründen natürlich auch Mobilfunkgerät, ausreichend Verpflegung und ein kleines Erste-Hilfe-Set dabei haben. Bei den meisten Ultra-Trails sind diese Ausrüstungsgegenstände als Pflichtausrüstung vorgeschrieben.

Tipp: Mit Schuhen und Socken seid ihr für die ersten Trainingswochen schon mal gerüstet. Den Rest könnt ihr euch nach und nach zulegen oder zu diversen Festlichkeiten „wünschen“. Der Weg zum ersten Ultra-Trail ist lang und die Familie freut sich über Geschenkideen. Spätestens bei der Generalprobe (Teil 1: Saisonplanung) sollte dann die Ausrüstung komplett sein.