Road to Transalpine Run: Die Ausrüstung

Koffer packen für den Transalpine Run 2018 © Marco Felgenhauer

„Der GORE-TEX® TRANSALPINE-RUN ist ein extremer Team-Etappenlauf über die Alpen. Die verschiedenen Streckenabschnitte der einzelnen Tagesetappen beinhalten teilweise hochalpine Passagen, die von jedem Teilnehmer spezielle Vorerfahrungen und -kenntnisse erfordern.“ Aus diesen Gründen ist der TAR nicht nur ein echter Härtetest für Körper und Geist, sondern fordert auch das verwendete Material bis an seine Grenzen und oft weit darüber hinaus. Wie bei jedem Ultratrail gibt es eine sogenannte Pflichtausrüstung, zu der wir einige Tipps und Tricks aus unserer bisherigen Rennerfahrung geben möchten. Außerdem stellen wir einige Ausrüstungsgegenstände vor, die Hannes Namberger und ich als unsere „Top 3“ Produkte bezeichnen würden und auf die wir an der Startlinie unter keinen Umständen verzichten möchten.

Trailrunner mit kompletter Ausrüstung © Marco Felgenhauer

Schuhe:

Die Etappen wechseln von hochalpin zu Schotter- und Teerstraßen, sowie von nassen zu sehr trockenem Gelände. Mitunter gilt es auch Schneefelder oder einen Gletscher zu durchqueren. Für all diese Streckenabschnitte gilt es das passende Schuhwerk zu finden:

Wenn man sich sieben Tage am Stück über unterschiedlichsten Untergrund über die Alpen bewegt, sollten Schuhe vor allem eines: passen! Mit dem SCOTT Kinabalu RC habe ich hier meinen Traumschuh gefunden, den ich sogar dem Kassenschlager und Testliebling (Scott Supertrac RC) den Vorzug gebe. Er ist leicht, agil, schnell, hat für meinen Fuß die optimale Passform und bietet ein unglaubliches Laufgefühl. Den Schuh habe ich sogar in zwei verschiedenen Größen im Gepäck, damit ich ihn auch noch laufen kann, wenn ich längst den letzten Zehennagel verloren habe. Bei besonders widrigen Bedingungen setzen viele Läufer auf Gore-Tex Schuhe, da trockene Füße ohne wundgescheuerte Stellen im Zweifelsfall doch wichtiger sind als die Laufeffizienz (zumindest bei Etappenläufen) – man muss ja auch am Folgetag noch schmerzfrei laufen können. Unterschiedliches Schuhwerk bedeutet auch unterschiedliche Be-/Entlastung für die Füße. Ein bisschen Abwechslung in sieben Tagen entlastet die Füße und schützt vor Verletzungen. Auf der alten Ostroute gingen Abschnitte von 20km und mehr über Schotter und Asphalt – hier hatte ich sogar einen gut gedämpften Straßenlaufschuh im Gepäck und während den Etappen gewechselt. Prinzipiell gilt: DEN passenden Trailschuh für alle Läufer und alle Bedingungen gibt es nicht – also nehmt die Schuhe mit in denen ihr euch wohl fühlt und wagt keine Experimente.

Socken:

Von Anfängern oft vernachlässigt aber ebenso wichtig wie das passende Schuhwerk ist die Wahl der Socken. Sie sollten perfekt passen, Feuchtigkeit transportieren, an den wichtigen Stellen schützen und im Optimalfall stabilisierend auf Muskeln und Gelenke wirken. Meine persönlichen Favoriten sind hier die CEP Merino Short Sock  in denen ich unzählige Kilometer bei widrigsten Bedingungen blasenfrei laufen kann. Kombiniert werden die kurzen Socken meist mit Ultralight Calfs, weil ich den dünneren Stoff an der Wade im Rennen deutlich angenehmer finde.

Stöcke:

Es gibt Faltstöcke, Fixstöcke und Stöcke zum Zusammenschieben. Das Reglement gibt vor, wer mit Stöcken startet muss mit Stöcken ins Ziel kommen. Das Aufnehmen von Stöcken ist verboten. Faltstöcke lassen sich sehr klein zerlegen und praktisch an den Rucksack schnallen. Fixstöcke sind am leichtesten und stabilsten von allen, haben aber den Nachteil, dass man sie das ganze Rennen über in der Hand halten muss. Das Laufen mit Stöcken im Gelände und welche Art von Stöcken sollte vorher unbedingt ausprobiert werden.  Ob wir mit oder ohne Stöcke an den Start gehen, hängt vom Höhenprofil und vom Untergrund ab. Bei „normalen“ Rennen unter 50 Kilometern verwende ich in der Regel keine Stöcke. Auf Etappenrennen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein gezielter Stockeinsatz die Beinmuskeln entlastet und sich die konsequente Verwendung spätestens ab der dritten oder vierten Etappe auszahlt. Hannes setzt dabei auf Faltstöcke, allen voran den Dynafit Vertical Pro. Er bietet ihm geringes Gewicht, ein kleines Packmaß und maximale Steifigkeit.

Zum XC-RUN.de Stocktest

GPS-Uhr:

Wichtig, um zurückgelegten und bevorstehenden Weg genau zu kennen und um sich das Rennen dementsprechend einteilen zu können. Wer den GPS-Track auf der Uhr hat, spart sich die Karten in der Pflichtausrüstung. Die neuesten Multifunktionsuhren bieten von Kompassfunktion über Laufstilanalyse bis Live-Tracking-Funktion alles, was mehr oder weniger wichtig ist. Man sollte unbedingt darauf achten eine robuste Uhr mit langer Akkulaufzeit und gutem GPS Empfang zu wählen. Hannes bevorzugt hier die neue SUUNTO 9 mit Pulsmessung am Handgelenk und nach eigenen Aussagen „perfekter Routenführung“.

Hier geht es zum Test der SUUNTO Spartan Wrist und der Ambit Peak 3

Regenjacke:

Die Jacke ist Teil der Pflichtausrüstung und hat beim TAR eine der schwierigsten Aufgaben: Einerseits soll sie extrem leicht und gut verstaubar sein, da sie (hoffentlich) meist im Rucksack bleibt. Andererseits muss sie im Hochgebirge vor Regen, Schnee, Wind und Kälte schützen und den Körper vorm Auskühlen schützen. Zudem sollte sie atmungsaktiv sein und beim Laufen nicht stören. Hannes verlässt sich dabei auf die Dynafit Shake Dry mit Rucksack ZIP am Rücken. „Falls es mal wirklich kalt oder nass wird, bin ich damit perfekt geschützt und der Rucksack passt problemlos darunter.“

Funktionskleidung:

Ohne Funktionskleidung macht Laufen, wie jeder andere Ausdauersportart auch, weniger Spaß. Sie muss atmungsaktiv sein, eine gute Passform haben und natürlich gut aussehen. Beim TAR sollte man für jede Witterung die passende Kleidung parat haben. Bei Übernachtung in Hotels oder Pensionen ist auch ein Wäscheservice möglich.

Rucksack:

Im Rucksack sollte die komplette Pflichtausrüstung inkl. Verpflegung und Getränk Platz finden. Es gibt mittlerweile einige gute Rucksäcke auf dem Markt, die jeder entsprechend seines Körperbaus und seiner Vorlieben auswählen muss. Wie immer gilt – testen, testen, testen. Ich schwöre mittlerweile auf Softflasks als Trinksystem, da ich den Inhalt der Flaschen individuell anpassen kann (nur Wasser, Wasser Gel Mischung), einen Überblick über den Inhalt habe und sich die Flasks an den Verpflegungsstellen schnell nachfüllen lassen. Zudem habe ich gleich meinen „Trinkbecher“ für die VPs dabei.

Brille:

Für mich ist die Laufbrille kein nettes Zusatzaccessoire, sondern gehört neben Socken, Schuhen, Hose und Shirt zur absoluten Grundausstattung beim Laufen. Zu oft schon musste ich einen Lauf wegen Dreckspritzern im Auge unter- oder abbrechen. Als Kontaktlinsenträger bin ich hier wohl besonders empfindlich: Muss ich die Linse rausnehmen, kann ich zwar mit 2.0 Dioptrien auf der Straße noch nach Hause laufen, auf Trails ist die eingeschränkte Sehfähigkeit jedoch ein K.O.-Kriterium.

Deshalb steht beim Tragen einer Laufbrille nicht der Style oder Sonnenschutz im Vordergrund, sondern der Schutz des empfindlichen Sinnesorgans vor Fliegen, Schmutz, Wind oder herabhängenden Ästen.

Mit der Julbo Aerospeed habe ich die für mich optimale Brille gefunden, die auch bei hohen Geschwindigkeiten für perfekte Sichtverhältnisse sorgt. Die große, selbsttönende Scheibe passt sich allen erdenklichen Lichtverhältnissen an (ich habe sie beim GGUT auch nachts getragen), beschlägt nicht und ist für die Augen äußerst angenehm zu tragen. Ein schnittiges Leichtgewicht für perfekte Sicht.

Sonstige Pflichtausrüstung:

Neben einer Regenjacke und einem Trinkrucksack gibt es noch weitere Pflichtausrüstungen. Bei vielen Trailwettkämpfen im alpinen Gelände – und so auch beim TAR – ist vorgeschrieben, dass man seinen Körper komplett verdecken kann, um bei einem Wetterumschwung gegen Kälte geschützt zu sein. Natürlich wird bei schönem Wetter mit T-Shirt und Short gelaufen. Hier empfehlen wir lange Kompressionssocken anzuziehen, Ärmlinge zu tragen und in den Rucksack Knielinge zu packen – schon ist das oben genannte Reglement abgedeckt. Zusätzlich hat sich bei fast allen Trailrunnern das Multifunktionstuch durchgesetzt, dass man sich bei jedem Wetter locker ums Handgelenk binden kann. Es eignet sich als Kopfbedeckung, Halstuch, Schweißtuch oder zum Abbinden von Wunden und gehört eigentlich zur Grundausstattung.

Beim TAR als Teamrennen reichen ein Erste-Hilfe-Set und ein Handy. Um Gewicht zu sparen kann man sich diese Sachen also aufteilen oder der stärkere Partner entlastet den Schwächeren und trägt beides.