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Kampf am Limit: Mein ZUT-Leutaschtrail im Eliterausch – und das, was wirklich zählt

Beim Leutaschtrail des Zugspitz Ultra Trail stellte sich XC-RUN-Athlet Thomas Wanninger der internationalen Trailrunning-Elite. Über 60 Kilometer und 3.100 Höhenmeter kämpfte er bei extremer Hitze um einen Podestplatz, verpasste diesen am Ende denkbar knapp und gewann dennoch eine Erkenntnis, die weit über das reine Rennergebnis hinausgeht.

Kampf am Limit: Mein ZUT-Leutaschtrail im Eliterausch – und das, was wirklich zählt

Für meinen bisher längsten Trailrun hatte ich mir ein ganz besonderes Brett ausgesucht: den Leutaschtrail beim legendären Zugspitz Ultra Trail (ZUT). Seit der ZUT Teil der UTMB-Serie ist, hat sich das Niveau noch einmal deutlich verschärft. Das gesamte Wochenende fühlte sich wie ein riesiges Klassentreffen der deutschen und europäischen Trailrunning-Elite an.

Genau das Richtige für mich. Ich wollte den direkten Vergleich mit den Besten, um zu sehen, wo ich aktuell stehe.

Professioneller Support an meiner Seite

Thomas Wanninger beim ZUT 2026 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Ein solches Projekt geht man nicht alleine an. Ein riesiges Dankeschön gilt an dieser Stelle Marco Felgenhauer. Einen Profi-Fotografen an seiner Seite zu wissen, der gleichzeitig die Rolle des Supporters mit voller Hingabe ausfüllt, ist ein Luxus, den nicht jeder hat.

Die Gewissheit, im Hintergrund auf eine so verlässliche Unterstützung zählen zu können, gibt mental unglaublich viel Kraft und Sicherheit.

Rennstart im Morgengrauen: Taktik gegen die Hitze

Thomas Wanninger beim ZUT 2026 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Bereits im Vorfeld war die Wetterprognose das dominierende Thema: extreme Hitze und akute Gewittergefahr im alpinen Gelände.

Der Veranstalter reagierte konsequent. Während andere Distanzen verkürzt wurden, blieb uns die volle Schleife erhalten – allerdings mit einer entscheidenden Änderung: Der Start wurde von 9:00 Uhr auf 5:00 Uhr morgens vorverlegt. Das bedeutete zwar eine extrem kurze Nacht, spielte mir aber in die Karten, da ich bei großer Hitze erfahrungsgemäß Probleme bekomme.

Der Start und die Verfolgergruppe

Thomas Wanninger beim ZUT 2026 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Als im Morgengrauen der Startschuss fiel, ging es sofort zur Sache. Ich erwischte einen soliden Start und konnte mich direkt in der absoluten Spitzengruppe behaupten.

Bereits im ersten langen Anstieg kristallisierte sich das Spitzenfeld heraus. Gemeinsam mit Andreu Simon aus Spanien und Marek Causidis aus Tschechien setzte ich mich vom restlichen Feld ab.

Nur einer zog einsam seine Kreise an der Spitze: Sven Koch. Er drückte von Beginn an mächtig aufs Tempo und hatte sich bis zum Scharnitzjoch bereits einen Vorsprung von vier bis fünf Minuten herausgelaufen. Für mich war früh klar: Ihn heute zu schlagen, würde nahezu unmöglich werden. Sven kennt auf dieser Strecke praktisch jeden Stein und präsentierte sich in absoluter Topform.

Mein Fokus galt daher dem Podium.

Magie am Scharnitzjoch und die Jagd nach Mittenwald

Am Scharnitzjoch wurden wir mit einem unbeschreiblich schönen Sonnenaufgang belohnt. In diesem Moment war das frühe Aufstehen komplett vergessen. Das war alpines Trailrunning in seiner reinsten Form.

Viel Zeit zum Genießen blieb jedoch nicht. Im technisch anspruchsvollen Downhill Richtung Hubertushof verlor ich etwas den Anschluss an Andreu und Marek. Auf dem anschließenden Flachstück bis Mittenwald musste ich deshalb deutlich tiefer gehen als geplant, um den Kontakt zur Spitze nicht zu verlieren.

Das Chaos im Wellental und die Hitzeschlacht

Thomas Wanninger beim ZUT 2026 © Marco Felgenhauer / woidlife photography

Ab Mittenwald wurde das Rennen zunehmend taktisch und unübersichtlich. Durch die vorverlegte Startzeit liefen wir direkt auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Mittenwaldtrails auf. Im welligen, eigentlich sehr gut laufbaren Gelände bis zur Partnachklamm hieß das vor allem eines: Slalom laufen und sich permanent durch das Feld kämpfen.

Gleichzeitig schlug die Hitze nun erbarmungslos zu. Die Verpflegung wurde zur absoluten Schlüsselfrage. An den Verpflegungsstationen waren Wasser und Iso-Getränke heiß begehrt, um den Körper für den brutalen Schlussanstieg über die Laubhütte zum Osterfelderkopf zu kühlen und ausreichend zu versorgen.

Zwischen uns Dreien entwickelte sich ein zäher Kampf um die Podestplätze. Mal konnte sich einer ein paar Meter absetzen, mal musste jemand wieder abreißen lassen. Es war ein echter Abnutzungskampf.

Ekstase am Kreuzeck und ein folgenschwerer Fehler

Ein absolutes Highlight wartete wie jedes Jahr am Kreuzeck. Die „Nomades“ sorgten für eine unglaubliche Atmosphäre. Die Anfeuerungsrufe und Kuhglocken waren schon mehrere Querungen vorher zu hören und verliehen zusätzliche Energie.

Auch ich ließ mich davon mitreißen und mobilisierte noch einmal die letzten Reserven.

Doch dann passierte es. An der vorletzten Verpflegungsstation war ich für einen Moment unaufmerksam und ließ meine Flasks liegen. Rund 100 Meter später bemerkte ich den Fehler und musste umdrehen.

Eine Kleinigkeit – sollte man meinen. Doch in einem derart hochkarätigen Feld wird selbst eine solche Unachtsamkeit sofort bestraft.

Die Lücke war da.

Mit aller Kraft versuchte ich auf den letzten 350 Höhenmetern noch einmal heranzulaufen, doch die Muskulatur war längst am Limit. Als ich in den finalen Downhill einbog, hatte ich die beiden Konkurrenten bereits aus den Augen verloren.

Der finale Downhill nach Garmisch

Dass der letzte Downhill nach knapp 60 Kilometern und 3.100 Höhenmetern kein Spaziergang werden würde, war mir bewusst.

Ich konnte mein volles Potenzial im technischen Gelände nicht mehr ausschöpfen, biss aber auf die Zähne und holte alles aus mir heraus. Die entstandene Lücke ließ sich dennoch nicht mehr schließen.

Am Ende lief ich auf dem 4. Platz ins Ziel von Garmisch – gerade einmal zwei Minuten hinter dem Podium. Damit verpasste ich auch das direkte Ticket für den OCC denkbar knapp.

Mit einer Finisherzeit von 6:22 Stunden war ich angesichts der extremen Bedingungen dennoch mehr als zufrieden.

Was wirklich zählt: Ein Blick aufs Wesentliche

Direkt nach dem Zieleinlauf ärgerte ich mich noch über meinen Fehler an der Verpflegungsstation. Es sind oft genau diese Kleinigkeiten, die über Sieg, Podium oder Niederlage entscheiden.

Doch je länger ich im Zielbereich saß und das Geschehen beobachtete, desto mehr verschoben sich meine Perspektiven.

Ich sah zahlreiche Läuferinnen und Läufer, die mit Tränen der Erleichterung und des Stolzes über die Ziellinie liefen. Nicht, weil sie eine Platzierung erreicht hatten, sondern weil sie diese brutale Strecke bezwungen hatten.

Das führte mir einmal mehr vor Augen, worum es im Trailrunning wirklich geht: um gemeinsame Erlebnisse, um das Miteinander und um das Feiern von Grenzerfahrungen.

Und noch ein Gedanke ließ mich an diesem Tag nicht los.

Immer wieder musste ich an die kürzlich so tragisch verunglückte Lisa Münsterer denken. Auch sie wäre eigentlich beim ZUT an den Start gegangen.

Wenn man sich das bewusst macht, relativiert sich vieles.

Sich dann ernsthaft über einen vierten Platz bei einem der hochkarätigsten Trailrennen Europas zu ärgern, erscheint plötzlich bedeutungslos. Ich bin gesund. Ich durfte diesen großartigen Sport im Kreis der Trailrunning-Familie ausüben. Und ich habe ein Rennen gezeigt, auf das ich stolz sein kann.

Genau das ist es, was bleibt.

Text: Thomas Wanninger

Galerie zum ZUT2026