adidas INFINITE TRAILS 2021 mit silbernen Debüts von Hahner-Twin Anna und Rebecca Robisch

adidas INFINITE TRAILS 2021 mit silbernen Debüts von Hahner-Twin Anna und Rebecca Robisch © infinite-trails.com

Mit herbstlichem Kaiserwetter verwöhnte das Gasteiner Tal die Trailläufer bei den adidas INFINITE TRAILS 2021. Da ließen sich die großen Favoriten im als T eamrennen ausgetragenen Hauptwettkampf der Herren, Titelverteidiger Dmitry Mityaev (RUS), Robbie Simpson aus Schottland und der Schwede Petter Engdahl auch nicht lange bitten. Über zusammengerechnet 99 Kilometer gewann das Trio mit einer Zeit von 9:48:48 Stunden. Rang zwei ging an den Ulmer Christoph Lauterbach, der gemeinsam mit dem Amerikaner Jeshurun Small und dem Italiener Martin Dematteis, 10:04:02 Stunden benötigte. Podiumsplatz drei ging an das Trio Johannes Klein (Oberstdorf) und seine beiden in Innsbruck lebende Landsleute Moritz auf der Heide und Adrian Niski, nachdem 10:22.10 Stunden vergangenen waren.

Zwei deutschen Medaillen bei den Herrenrennen

Die Premiere des 60,5 Kilometer langen Sololaufs bei den adidas INFINITE TRAILS gewann der Schweizer Martin Anthamatten nach 7:31:35 Stunden. Ihm folgten Pablo Villa Gonzáles (ESP, 7:46:44 Stunden) und Remigio Huaman aus Peru (7:54:23 Stunden). Bester Deutscher war Steffen Justus aus Saarbrücken (9:13:53 Stunden).

Die Freude bei den vier deutschen Medaillengewinnern war groß. „Ich hatte natürlich eine Klasse-Mannschaft“, gab sich Lauterbach bescheiden. „Für mich ist es aber auch gut gelaufen, und ich bin natürlich total zufrieden.“ Etwas euphorischer war das bronzene Trio, denn ihr Platz auf dem Siegertreppchen war nicht unbedingt zu erwarten, verdeutlichte indes, was Teamspirit bewirken kann. „Wir haben alle drei hinten raus nochmal alles gegeben“, erklärte Klein. „Da spielt es schon eine große Rolle, vor allem mental, wenn man weiß, dass man für die anderen mitläuft.“ Hinter ihnen lagen Rennen über 21, 34 oder 44 Kilometer, nachdem die Teamstarter um 07:00 Uhr auf ihre jeweiligen Strecken gegangen waren.

Silberne Debüts von Hahner-Twin Anna und Rebecca Robisch

Gegen die Top-Favoritinnen war kein Kraut gewachsen, aber Anna Hahner (Chiemgau) bei ihrem Debüt bei den adidas INFINITE TRAILS und Rebecca Robisch (Fürstenfeldbruck) bei ihrem ersten Trailrun überhaupt strahlten nach ihren Silberrängen um die Wette. Hahner war in der Teamwertung gemeinsam mit Victoria Kreuzer (SUI) und der Russin Ekaterina Mityaeva 99 Kilometer – unterteilt in 21, 34 und 44 Kilometer-Distanzen – in 12:57:37 Stunden gelaufen. Gut zwanzig Minuten schneller war das Trio Sheila Avilés (ESP), Ruth Croft aus Neuseeland und US-Lady Sabrina Stanley, deren 12:36:48 Stunden die Goldmedaille bedeuteten. Rang drei ging an die Ungarinnen Anna Márovics, Timea Horváth und Iren Tiricz, zweimalige ungarische Meisterin im Ultratrail, nach 13:51:06 Stunden. Robisch hatte sich im Sololauf über 60,5 Kilometer nach langer Führung allein der Amerikanerin Taylor Nowlin geschlagen geben müssen. Deren Zeit von exakt 9:05:00 Minuten war zu gut. Die ehemalige Triathletin lief nach 9:13:54 Stunden unter der LED- Zielanzeige durch. Dritte wurde die Russin Tatiana Mitkina (9:49:23 Stunden).

„Glückwunsch an die Siegerinnen“ sagte Anna Hahner, nachdem die Entscheidung gefallen war. „Die drei waren sicher favorisiert und haben auch geliefert.“ Platz zwei änderte an ihrer guten Laune nach dem gelungenen Renntag in den Gasteiner Al pen wenig. Diese Gemütslage galt ebenso für Rebecca Robisch, die von Hahner im Ziel mit einem Bier empfangen wurde. Sie hatte das Rennen über 50 Kilometer angeführt, musste sich aber letztlich der Spezialistin geschlagen geben. „Bergab war meine Konkurrentin im Finale zu stark, da konnte ich nicht folgen, ohne Angst um meine Knochen zu haben.“ Aber der Tag sei wunderbar gewesen.

Moritz auf der Heide mit erfolgreichem Endspurt – „Das war brutal schön“

Es dauerte nur 2:13:28 Stunden bis der Spanier Daniel Osanz die „Kurzstrecke“ absolviert hatte. Moritz auf der Heide folgte als Zweiter nach 2:15:12 Minuten, vor dem US-Boy Jeshurun Small (2:15:18 Stunden) und Dmitry Mityaev (RUS, 2:16:46 Stunden). Hinter dem souveränen Osanz lieferte sich das Verfolger-Trio einen spannenden Kampf bis zur Ziellinie. „Das war brutal schön“ kommentierte auf der Heide seinen Part. „Ich bin kontrolliert bergauf gelaufen und habe Daniel erstmal ziehen lassen. Den Downhillpart habe ich zunächst ebenso kontrolliert in Angriff genommen“, lautete sein sportliches Fazit. „Aber auf den letzten vier Kilometern habe ich Dmitry hinter mir gesehen, und ab da war nichts mehr kontrolliert, sondern es wurde ein Sprint. Bei dem habe ich dann sogar noch Jeshurun einholen können“, grinste er.

Robbie Simpson und Johannes Klein mit dominierendem Rennen

Die nächsten Zielleinläufe erfolgten auf der mittellangen Distanz. Hier tat Johannes Klein (Oberstdorf) es seinem Teamkollegen Moritz auf der Heiden gleich und lief als Zweiter ein. Seine Zeit von 3:25:06 Stunden unterbot nur der Brite Robbie Simpson (3:23:26 Stunden). Das Siegerduo lief von Beginn an der Konkurrenz davon und setzte sich beim Aufstieg auf dem Gamskarkogel deutlich vom Rest des Feldes ab. Christoph Lauterbach folgte als nächster in 3:46:25 Stunden und trug somit seinen Teil zum Silberrang in der Teamwertung bei, Marcel Höche (Walchensee) kam als Fünfter ins Ziel über die 34 Kilometer (4:00:41 Stunden).

„Ich bin total zufrieden“, konstatierte Klein. „Ich habe zum Ende hin Krämpfe in beiden Waden gehabt, und dies gerade noch auffangen können. Aber gegen Robbie hätte ich sicherlich ohnehin keine Chance gehabt, der hätte noch weitere Körner mobilisieren können.“

Adrian Niski: „Ohne den Teamgedanken hätte ich mich nicht so quälen können.“

Die längste Teamrunde von 44 Kilometern war eine eindeutige Angelegenheit für Martin Dematteis (ITA), der 4:01.45 Stunden benötigte. 4:08:36 Stunden zeigte die Zieluhr an, als Petter Engdahl (SWE) seinen Lauf beendete. Dann folgte Dreifach-Weltmeister Luis Alberto Hernando (4:22:38 Stunden). Schnellster Deutscher auf dieser Distanz war Adrian Niski. Mit seiner Zeit von 4:41:52 Stunden trotz Oberschenkelkrämpfen gegen Ende sicherte er seinem Team noch den dritten Gesamtrang.

„Das ist ein versöhnlicher Abschluss einer verkorksten Saison“, freute er sich im Zielbereich sitzend. „Ich hätte mich ohne den Teamgedanken heute nicht mehr so quälen können, speziell nachdem ich mich etwas verlaufen hatte. Dass ich gut auf Strecken zurechtkomme, wo man bergab ‚Rollen‘ kann, wie wir sagen, kam mir dann auch noch einmal entgegen.“

Trailrun-Demonstration eines Schweizers beim 65k-Sololauf

Den ersten Startschuss des Renntages im Gasteiner Tal hatten um 06:30 Uhr die Athleten des 60,5 Kilometer langen Sololaufs erlebt. Martin Anthamatten demonstrierte von den ersten bis zu den letzten Metern, dass die Schweizer Berge ein hervorragendes Training ermöglichen. Ungefährdet lief er als Champion in die Alpenarena in Bad Hofgastein. „Das war ein herrlicher T ag heute. Ich h abe mich super gefühlt, bin meinen Rhythmus durchgelaufen, habe nicht overpaced und bin umso glücklicher, dass mich keiner überholt hat“, ließ seine Freude die Strapazen vergessen. Zudem hatte er noch eine Warnung an die Konkurrenz für 2022 parat. „Das war Wahnsinn hier in den Bergen zu laufen. Nächstes Jahr komme ich wieder – aber definitiv mit einem Team.“ Stark präsentierte sich auch das spanischsprechende Duo Pablo Villa Gonzáles und Remigio Huaman auf den Verfolgerplätzen, hatte aber gegen Anthamatten an diesem herrlichen T ag nichts entgegenzusetzen. Bester Deutscher war der ehemalige Triathlon-Vize-Weltmeister Steffen Justus aus Saarbrücken als Achter. „Ich hatte ohnehin vor, hier alle drei großen Gipfel einmal zu erwandern. Da hat sich adidas INFINITE TRAILS angeboten“, scherzte er im Ziel. „Die Spezialisten haben mir vor allem bergab Zeit abgenommen, aber ich bin zufrieden und hatte einen tollen Tag.“

Spanierin Sheila Avilés legt den Grundstein für den Teamerfolg

Schnellste Frau über 21 Kilometer war Sheila Avilés aus Spanien, die nach 2:31:23 Stunden im Ziel jubeln durfte und somit den Grundstein für den späteren Gesamtsieg legte. Ihre erste Verfolgerin, Deborah Marti (SUI), wies mit einer Endzeit von 2:54:15 Stunden schon einen etwas deutlicheren Rückstand auf. Die drittplatzierte Ungarin Anna Márovics folgte nach 3:03:57 Stunden. Irmi Hobmaier aus München beendete ihren Wettkampftag nach 3:12:17 Stunden als Fünfte und schnellste Deutsche über 21 Kilometer und belegte auch mit ihrem Team am Ende Platz fünf.

Anna Hahner: „Solche Rennen machen mich stärker.“

Vizeweltmeisterin Ruth Croft bewies über 34 Kilometer ihre Extraklasse. Die Neuseeländerin unterquerte den Zielanzeige in der Alpenarena nach 4:07:24 Stunden. Als Zweite begrüßte sie Anna Hahner. Der eine Hahner-Twin strahlte nach 4:19:10 Stunden ebenfalls. Rang drei eroberte die in Innsbruck lebende Deutsche Dioni Corla in 4:27:58 Stunden. Die Umstellung von der Straße auf den Berg ist für Anna Hahner schon einmal gelungen. „Die Höhenmeter habe ich natürlich deutlich in den Beinen gemerkt. Aber ich habe mir die Kräfte gut eingeteilt, und solche Rennen machen mich stärker in den Bergen“, erklärte sie im Ziel. „Aber die ganz steilen Passagen hier im Rennen sind schon schwer, da ich da keinen richtigen Rhythmus laufen kann.“

US-Girl Sabrina Stanley sichert den Gesamtsieg

Beschriebene Höhenmeter sind dagegen das Spezialgebiet von Ekaterina Mityaeva. Die Russin war über die 44 Kilometer-Team-Distanz nicht zu schlagen und siegte hier in 5:09:56 Stunden. Ihr am nächsten kam Kim Schreiber aus München. Nach tollen 5:14:58 durfte sie sich erschöpft von ihrer Teamkollegin Dioni Corla in Empfang nehmen lassen. Beide kamen allerdings nicht in die Ergebnisliste, da Jasmine Nuninge aus der Schweiz ihr Rennen hatte abbrechen müssen. Iren Tiricz (HUN) machte einen tollen Renntag für sie und ihr Team in 5:39:51 Stunden perfekt: Dritte Ihres eigenen Wettkampfs und Dritte mit ihren Landsfrauen im Team.

Sophia Huber wurde in der Einzelwertung Vierte und als Münchener Mannschaft mit Irmi Hobmaier und Miria Meinheit Fünfte.

Silberne Trailrun-Premiere für Rebecca Robisch

Deutlich nach den Top-Teams schlug die Stunde der Sololäuferinnen über 60,5 Kilometer, und aus deutscher Sicht die von Rebecca Robisch, die „einen Trailrun einfach mal ausprobieren“ wollte. Obschon sie den Sieg gegen Taylor Nowlin knapp verpasste, war sie bester Dinge. „Es war wunderschön, ich bin superfroh und jetzt ein Bier.“ Nach den verdienten Schlucken ergänzte sie. „Ich habe meinem Gefühl vertraut, bin mein Rennen gelaufen und habe meinen Rhythmus beibehalten. Es ist schön zu gewinnen, es ist auch schön Zweite zu sein.“

Ergebnisse