UTMB 2021: Interview Hannes Namberger

UTMB 2021: Hannes Namberger im Ziel beim UTMB © Hendrik Auf'mkolk

Spätestens seit seinem Sieg beim Lavaredo Ultratrail (HIER) mit Streckenrekord 2021 ist Hannes Namberger in die Weltspitze der Trailrunner aufgestiegen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Dynafit Athleten bei seiner Premiere über die 100 Meilen des UTMB. Hannes hat sich der Herausforderung gestellt, den Druck gemeistert und als sechster Mann in diesem sensationell starken Starterfeld gefinished (HIER geht es zur Pressemitteilung). Auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub konnten wir Hannes ein paar Fragen stellen:

Post-Race-Interview Hannes Namberger

Hey du Rakete! An dieser Stelle noch einmal offiziell meine herzlichsten Glückwünsche zu diesem mega Erfolg beim UTMB und deinen Aufstieg in die Weltspitze der Trailrunner! Wie fühlt es sich an nach einem Jahr Arbeit sein Ziel erreicht und in Chamonix als Sechster über die Ziellinie zu laufen?

Hannes:

Vielen Dank Markus! Es war ein geniales Gefühl und für mich auch der beste Zieleinlauf, den ich mir wünschen konnte. Die Zuschauer geben einem extrem viel zurück und lassen einem all die Strapazen vergessen. Der Sieg beim Lavaredo und der 6te in Chamonix sind mehr als Belohnung genug für ein Jahr harte Arbeit.

Du hast am Telefon erzählt, dass 170 Kilometer und 10000 Höhenmeter im Wettkampftempo auch an einem Hannes Namberger nicht spurlos vorbeigehen. Kannst du etwas über die Tage nach dem Wettkampf und deine Regeneration sagen?

Hannes:

Die ersten beiden Nächte hatte ich ziemliche Fiebersymptome, geschwollene Sprunggelenke und dicke Knie. Eigentlich konnte ich nachts nicht richtig schlafen und tagsüber nicht flüssig gehen. Aber das sind Sachen die nimmt man gerne in Kauf. Jetzt, fünf Tage nach dem Rennen sitze ich täglich 2 h auf dem Rad, schwimme etwas und esse viel. Ich hatte mir mal vorgenommen 14 Tage lang nicht zu laufen, mal sehen, ob ich das schaffe.. 😉 

Lief beim UTMB für dich alles nach Plan, oder gab es in den gut 22h auch Momente des Zweifelns oder Zeitpunkte, an denen es nicht optimal lief?

Hannes:

Es lief vieles gut aber nicht alles. Vom Start bis KM 35 fühlte ich mich nicht wohl, ich versuchte langsam und ruhig zu starten, wurde aber immer öfter von Läufern mit hohen Startnummern überholt. Dazu war mein Puls auch 10 Schläge zu hoch und ich wurde etwas unruhig. Als es aber dann nach 3,5 h in die Nacht ging wurde ich warm und konnte von Rang 30 meine Aufholjagd beginnen. Bei Kilometer 125 hatte ich einen kurzen Einbruch, konnte mich aber nach einem 30 minütigen Tief wieder zurückbringen. Ansonsten lief das Rennen so wie ich es mir vorgestellt und geplant habe. Im Endeffekt habe ich viele Sachen richtig gemacht und nur wenige falsch, was der Schlüssel für meinen ersten 100 Meiler war.

Alle wollen hin. Jeder möchte mindestens einmal im Leben dabei sein. Was macht diesen UTMB allgemein und für dich persönlich so besonders? 

Hannes:

Es ist einfach DAS Trailrunning Event in unserem Sport, für mich sogar die Olympiade. Hier sind alle Top Stars am Start und jeder von ihnen möchte aufs Podium laufen und sich auf Weltniveau messen. Die Faszination der Zuschauer auf der Strecke hilft dabei das die Stimmung an bestimmten Abschnitten überkocht und die Läufer vorantreibt, vergleichbar mit der Bergetappe Alpe dHuez bei der Tour de France.

Am Ende kommt dann für viele Läufer ein wunderschöner und emotionaler Zieleinlauf, egal ob Top10 oder kurz vor dem CutOff, der alle Strapazen verschwinden lässt. Meine Erwartungen an den UTMB wurden jedenfalls übertroffen.

Was würdest du sagen war der Schlüssel in der Vorbereitung? Gab es auch Tiefpunkte auf deinem Weg oder ging Form und Motivation bis zum 28. August immer steil nach oben?

Hannes:

Bis Anfang Mai hatte ich Schwierigkeiten mit einer Blockade im unteren Rücken, daher konnte ich nicht planmäßig trainieren. Ende Mai ist aber dann der Knoten geplatzt und ich konnte voll loslegen. Meine Topform hatte ich eigentlich beim Lavaredo erreicht, wo ich auch zum ersten Mal auf internationaler Bühne mein Potential zeigen konnte. An diesem Tag hat wirklich alles gepasst! Beim Glockner Trail, 4 Wochen später habe ich dafür von meinem härtesten Kontrahenten Andi Reiterer eine ziemliche Klatsche bekommen, was auch mal wieder gut war. Bei diesem Wettkampf hatte ich im Vorfeld zu viele Fehler gemacht was mich aber schlussendlich optimal auf den UTMB vorbereitet hat. Beim UTMB selbst war ich dann bestmöglich körperlich, aber auch mental in Form. Ich sollte aber auch dazu erwähnen, dass es schwere Zeiten gab, trotz gewisser Erfolge, denn über etwa 3 Monate ständig auf Top Niveau zu laufen ist auch sehr fordernd. Im Nachhinein ging alles gut auf und ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen, aber eine kurze Pause nach den Rennen wäre manchmal nicht schlecht gewesen 😉

Dein Coach Michael Arendt zählt mittlerweile als DER Trainer im deutschsprachigen Trailrunning. Was hat dich zu dem Schritt bewegt, dir einen Trainer zu nehmen und inwiefern hat dich das weitergebracht?

Hannes:

Ich bin einfach in meinem Leistungslevel angestanden und wollte besser werden. Seit 2019 trainiere ich bei Micha und ich habe ihm vieles zu verdanken. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Egal ob Trainingsplanung, Analysen, Wettkampfpacing aber auch Hilfe bei Verletzungen. Er und sein Team ist in allen Bereichen wirklich bestens aufgestellt. Er hat einen großen Anteil daran warum bei mir vieles funktioniert.

Ich weiß, die Frage ist fies so kurz nach dem UTMB und du solltest jetzt erst einmal den Urlaub genießen und runterfahren. Aber hast du heuer noch etwas Sportliches vor?

Hannes:

Für mich ist gerade wichtig einmal zufrieden zu sein und nicht gleich dem nächsten Wettkampf hinterher zu hetzen, deshalb lasse ich es gerade ruhig angehen und entscheide mich spontan. Falls ich aber noch motiviert bin und mein Körper es zulässt, wäre der Transvulcania oder der Cape Town Ultra auf dem Plan.

Kann nach dem Top 10 Platz beim UTMB noch was kommen? Welche Rennen, Serien, Ziele würden dich reizen? Nicht unbedingt auf nächste Saison bezogen, sondern eher auf die nächsten Jahre.

Hannes:

Ich möchte generell besser werden und noch mehrere Klassiker Rennen wie z.B. den MIUT, Eiger oder auch den Zugspitz Ultra laufen. Hauptsächlich ist mir wichtig gesund, fit aber vor allem mit Leidenschaft diesen Sport auszuüben. Zum UTMB werde ich aber sicher wieder kommen 😉

Merci 🙂